Das kalkulierte Chaos

Es ist 11:40h als ich mit meinem Wagen in Richtung Tankstelle aufmache. Weit komme ich nicht, denn schon jetzt geht in der alten Wittener Straße nichts mehr. Die Fahrzeuge stehen schon bis weiter hinten an der Kirche vorbei. Also parke ich mein Auto in der nächsten Parkbucht und mache mich mit einem fiesen Grinsen im Gesicht und der Kamera in der Hand zu Fuß in Richtung Tankstelle auf.

Alle hatten sie es weitergesagt. Radio 98.5 und die DerWesten ganz vorne dabei. Das gibt bestimmt ein paar tolle Szenen, egal wie gut alles organisiert ist. Und es kam, was kommen musste. Die Zufahrtsstraßen rund um die Tankstellen sind verstopft. Der McDonalds-Parkplatz ist abgesperrt. Mindestens 5 Personen regeln den Verkehr vor und auf dem Tankstellengelände. Immer nur einer nach dem anderen darf dem kostenbaren Erdöl eine Wagenlänge näherkommen. Schon ein paar Minuten vor 12 hat der Tankstellenpächter die Aktion gestartet, denn natürlich wollte niemand Minuten vor dem großen Coup den normalen Preis von 1,72€ zahlen. Und dann lief es wie am Schnürchen. Tanken, zahlen, mit dem Kassenbon zum Reifenhändler und sich pro Liter 50 Cent auszahlen lassen. Das alles natürlich nur für Super-Benzin, man will ja nicht auch noch LKWs abfertigen müssen.

Derweil türmen sich die Autos fast. Da wird auch schon mal im Synchronflug abgebogen. Ein ganz Ungeduldiger zieht an der Ampel an der Wittener Straße einfach vor und schlüpft mit seinem Twingo mal ganz schnell dazwischen. Er hat die Rechnung aber nicht mit Vordermann, Hinterfrau und einer Passantin gemacht. Urplötzlich stehen diese wildgestikulierend und laut schimpfend an seinem Wagen. Kurz ausgestiegen, Lage überblickt, wieder in den Wagen und bloß weg.




Dann kommen SIE. Die Polizisten. Zunächst zwei Motoradpolizisten, die sich um die Linksabbieger kümmern, denn diese schaffen es mit ihrer überaus intelligenten Fahrweise die Straßenbahnschienen zu blockieren. Dann machen sie sich an den Rechtsabbiegern zu schaffen. Die Synchronabbieger werden kurzerhand vor die Wahl zwischen der Weiterfahrt auf der Wittener Straße oder einem Strafzettel gestellt. Wir haben ja auch in solchen Ausnahmezuständen Verkehrsvorschriften und die wurden ausreichend gebogen und gedehnt. Ein junge Frau steigt aus ihrem Auto, um dem Polizisten zu erklären, dass sie doch nur schnell etwas zu Essen von McDonalds haben wolle. Keine Chance, auch mit großen Reh-Augen nicht. Nach ca. 15 Minuten ist die Kreuzung wieder geräumt und Links- und Rechtsabbieger-Spuren gesperrt. An anderen Stellen räumen derweil 2-3 weitere Streifenwagen samt Besatzungen auf. Diese Spielverderber, denke ich mir und begebe mich auf den Heimweg. Vorbei an diversen Anwohnern, die belustigt am Straßenrand stehen und sich die ganzen Verrückten anschauen.

Aber halt eines habe ich noch vergessen: DIE PRESSE!
Für die war es natürlich ein gefundenes Fressen. Während gestern auf Facebook noch von der Lokalpresse ausgegangen wurde, habe ich heute auch die große, zugegeben nicht-seriösen Sender gesehen. Ganz groß war SAT1 mit gleich 2 Kamerateams. Es muss echt wenig los sein, in NRW, Deutschland und der Welt.







Edit: Am Tag danach bleibt zu erwähnen, dass die Aktion werbetechnisch schon grandios war. Es waren nicht viele Glückliche, die günstig tanken konnten. Dafür gab es wohl den ein oder anderen Rempler. Wie gut, dass es auf dem Gelände auch eine Werkstatt mit einer Lackiererei gibt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.