Nachkriegsstadtplanung

Da scrolle ich gerade durch meine Facebook Timeline und finde in einer Gruppe diese Aussage

Stadtplanung Nachkriegszeit

Unweigerlich schnellt die Hand ins Gesicht. Da erklärt ein Typ, geboren vermutlich gegen Ende der Sechziger, dass man nach dem Krieg es ja nicht so dicke mit der Stadtplanung hatte und wild darauf losgebaut hat. Ach neee? Und wieso das, Captain Obvious? Weil die sich dachte: Ach scheiss auf Planen, das macht immer nur ärger? Nein, sondern weil es damals in dieser Stadt eine Wohnungsnot gab. Und nicht nur hier. Das ganze Ruhrgebiet lag in weiten Teilen in Schutt und Asche. Wessen Heim den Krieg halbwegs unbeschadet überstanden hatte, hatte schon bald Einquartierung. Und ich rede nicht davon, dass Freunde, die ihr Heim verloren bei einem einzogen, nein, da wurden einem wildfremde Menschen in die eigenen vier Wände gesetzt. Die hübschen Funktionsmöbelstücke, wie Schlafcouches und -sessel stammten aus dieser Zeit, weil man tagsüber leben musste und nachts einen Schlafplatz brauchte. Zu allem Überfluss kamen in die eigentlich eh schon vollen und zerstörten Städte auch noch Flüchtlinge aus dem Osten, die händeringend versuchten sich eine neue Heimat zu suchen. Es scheint so unwirklich, aber es ist keine 70 Jahre her, als das hier genau so ablief.

Wenn man einfach nur die Fresse aufmachen will, dann sollte man vorher in so einem Fall mal Omma fragen. Oder Oppa. Beide sollten ausreichend auf der Zeit erzählen können.

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