Pah! Was interessiert mich die Meinung von Betroffenen?

In der neuen Ausgabe des Kompass soll ein Artikel über Asperger-Autisten erscheinen. Die AG Gesundheitspolitik und eine Asperger-Patientin gehen dagegen auf die Barrikaden. Vollkommen zurecht, denn der Artikel ist ein Schlag ins Gesicht für alle Betroffenen.

Einmal vom medizinischen Standpunkt abgesehen, ist alleine der Umgang mit den Betroffenen in diesem Artikel der pure Hohn.

Im weiteren Verlauf werde ich den von der Pädagogin Liane Holliday Willey geprägte Bezeichnung Aspie verwenden, welche die Fähigkeiten und Stärken besser herausstellt als negativ anmutende Begriffe wie Asperger-Autist oder -Patient.

Und er macht es wirklich. Er nennt die Patienten im weiteren Verlauf Aspies. Da fallen mir direkt weitere Themen ein, beispielsweise über Rheuma-Patienten, die vermutlich irgendwann mal als Rheumis bezeichnet wurden. Vielleicht wurden die aber auch schon einmal als Krüppel bezeichnet, da im fortgeschrittenen Stadium der Krankheit die Gelenke verformen und somit der Bewegungsapparat eingeschränkt wird. Wer weiß? Ich jedenfalls würde in diesem Zusammenhang mal über eine Klage nachdenken. Aber um welche Art von Journalismus handelt es sich da eigentlich? Verniedlichung von Krankheitsbildern. Verniedlichung von Leidenswegen. Mir kommt das kotzen.

Aber es geht weiter. Über

==Der Alltag==
Bis zu einem gewissen Grad können durch Aspies Bewältigungsstrategien erlernt werden. Zum Beispiel für die soziale Interaktion, welche aber dennoch deutlich kräfteraubender ist, weil an viel mehr bewusst gedacht werden muss.

hin zu

==The Sheldon Cooper Equation==

,

Wahrscheinlich fällt auch Steve Urkel in diese Kategorie.

und

So fehlt dem Androiden Mr. Data jeglicher Zugang zu Emotionen, was er mühsam erlernen muss, aber nie gänzlich versteht

ist für jeden etwas aus der Kategorie ‚Fremdschämen‘ dabei.

Immerhin haben die aktiven Gesundheitspiraten in NRW schnell eingegriffen und zumindest für unser Bundesland wird diese Kompassausgabe nicht eingekauft. Ich würde diese auch nicht herausgeben. Dafür aber wiederum wurden diese auch schon angegangen. Sie wären Verhinderer. Unter diesen Verhinderern auch eben jene Asperger-Autistin. So viel Scheiße muss man erstmal bauen. Glückwunsch, liebe Kompass-Redaktion.

Hier ein paar Links zum Thema:

Artikelschmiede – Vorstellung und Diskussion des Artikels

Pastebin Eintrag – Forderung eines Statements der AG Gesundheitspolitik

Blogartikel von Mela, der Asperger-Patientin

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