Komischer Vogel in der Bank

Ich muss hier mal eben etwas festhalten und vielleicht kann ich andere ja damit sensibilisieren…

Ich war heute mit meiner Mutter bei ihrer Bank, um die Konten umschreiben zu lassen. Zu Beginn waren wir an einem Schalter mit einem Mitarbeiter, der offensichtlich viel mit Ummeldungen zu tun hatte, aber während er so nach den Unterlagen suchte, beobachtete ich einen blonden Mann mit Vokuhila Frisur und Oberlippenbart, der über die Mundwinkel herunter ging. Der Typ trug eine dunkelbraune Lederjacke und hatte Blessuren von einer Rasur auf den Wangen. Er erweckte meine Aufmerksamkeit, weil er sich erstens an der falschen Seite anstellen wollte und zweitens nervös war. Er ging dann auch wieder, ohne irgendetwas gemacht zu haben.

Ich füllte also die Formulare gemeinsam mit meinem Mutter aus. Anschließend wurden wir von einer Mitarbeiterin bedient, die wesentlich mehr Ahnung von den Vorgängen hatte und dann tauchte dieser Typ wieder auf. Er ging zum Nachbarschalter und versuchte dort ein Auszahlungsformular einzureichen. Der Mitarbeiter musste hierzu erst telefonieren, was die Nervosität des Typens noch anhob. Auf einmal ging er von rechts sehr nah an meine Mutter heran, die noch weitere Daten in ein Formular eintragen musste. Er tat so als sei er an Informationen aus einem Pappaufsteller interessiert. Diese Informationen gab es an seinem Schalter jedoch auch. Generell schien er Interesse an den Formularen zu haben, die meine Mutter dort ausfüllte. Ich habe mich dann auf die rechte Seite meiner Mutter begeben und mich damit ganz unauffällig in sein Blickfeld geschoben. Das gefiel ihm nicht, aber er wich erstmal zu seinem Schalter zurück. Keine zwei Minuten später ging er dann um mich und meine Mutter herum um von links an meine Mutter heranzutreten. Ich hob den Kopf und sah ihm direkt in die Augen. Auch das hat ihm nicht gefallen. Er ging weiter, worauf ich zur Angestellten sagte, dass manche Leute wohl das mit der Diskretion nochmal erklärt bekommen müssen und ich dazu gerne bereit bin. An dem Punkt habe ich den Typen nicht mehr aus den Augen gelassen. Er war fast erleichtert als sein Sachbearbeiter fertig mit telefonieren war und wieder am Schalter stand. Eine Auszahlung konnte nicht vorgenommen werden, weil er wohl keine Berechtigung hatte. Der Mitarbeiter behielt den Auszahlungsschein und der Typ ging mit den Worten: „Ja, hm hm ist ja auch viel Geld.“

Ich mag nochmal festhalten: Der Typ war blond, ca. 1,85m groß und trug so eine Art Hulk Hogan Bart. Dazu haben dunkelbraune Lederjacke und schwarze Uncle Sam-Jogginghose mit weißer Schrift.

Ich fand den Typen extre, komisch und befürchte, dass der irgendwelche Infos über uns lesen konnte. Deshalb eben hier eine Art Protokoll, für den Fall, dass der mir nochmal über den Weg läuft.

Kompetenz, wohin man schaut

Hier ein wunderbarer Artikel aus DerWesten über den Versuch des NRW-Innenministers Symbole der Rockergruppen Bandidos und Hells Angels zu verbieten.

Der Artikel treibt mir direkt auf mehreren Ebenen die Tränen in die Augen. Da wäre zunächst der Schreiberling, der es offensichtlich mit dem Idiotenapostroph nicht verstanden hat. Gleich mehrfach verwendet er den Namen „Hell’s Angels“. Aber weder ist die Hölle ein Engel, noch mehrere und Eigennamen kann man googlen, aber lassen wir das. Kommen wir zum Thema an sich. Der gute Herr Jäger (auch ohne Apostroph) ist mal wieder einen Lacher wert. Er ist der Meinung, dass das Internet ein rechtsfreier Raum ist. Nee, Herr Jäger, ist es nicht, aber man kann sich das Gesetz weitestgehend aussuchen. Wenn man beispielsweise die Bandidos-Seite inkl. Shop nicht in Deutschland, sondern in den USA hostet. Ausreichend Brothers, die das für ein Chapter in Deutschland übernehmen, wird es dort geben. Machste nix! von schnellstmöglich kann auch nicht die Rede sein, denn wie ich die Typen einschätze, werden die das erst von der Seite nehmen, wenn es entweder sau teuer wird, oder der Erste dafür in den Knast soll. Und was soll das Verbot denn bringen? Glaubt Herr Jäger wirklich, dass es das nun gewesen sei? Als wäre ein Angel in einer neutralen Kutte weniger gefährlich als in einer mit Club-Enblem. Die meisten haben sich ihren Mexican oder ihren Totenschädel tatowieren lassen. Machste auch nix!

Bleibt übrig: Eine große Portion Augenwischerei.

Progressiv waren wir irgendwie alle mal

Nach vorne schauen und nicht zurück. Das ist eigentlich das, was mir aktuell liegt, doch gibt es da nicht auch diesen schönen Spruch, dass sich eigentlich immer alles wiederholt? Und so scheint es auch gerade zu sein. Innerhalb der Piraten hat sich eine progressive Plattform gegründet. Was daraus entstehen wird ist noch nicht klar. Sie nennen es einen Schutzraum, in dem man vernünftig und nicht diskriminierend miteinander umgeht. Tja, einer hat das schonmal nicht geschafft, und zwar unser Lieblingsmausfan Johannes Ponader. Der ist darüber traurig. Aber wie es scheint hatte er einfach die falschen Ansprüche, jedenfalls sagt das der Daniel „netnerd“ Schwerd.

Ich bin gespannt, wie sich diese Plattform entwickeln wird. Es ist ein schönes soziales Experiment innerhalb eines Experiments. Wie schaut es mit der Toleranz aus? Wie sieht die Mitgliederentwicklung aus? Kann eine solche Gruppierung, die kategorisch Menschen ausschließt, Teil der Piratenpartei sein, die ja mal dafür stand, dass im Prinzip jeder mitmachen kann, solange er kein Rechter ist?

Die ersten Probleme, aber auch Erkenntnisse gibt es jedenfalls schon

Frauen in Führungspositionen, oder in der Politik sind wichtig, aber woher nehmen, wenn nicht einen auf Boko Haram machen? Mich als Frau setzen diese Gleichberechtigungsforderungen ja immer unter Druck, da die Auswahl an potenziellen Vorstandmitgliederinnen ist ja eher gering. Ich fühle mich dadurch verpflichtet und habe dadurch schon einmal meine Gesundheit aufs Spiel gesetzt. Ob das mal immer so fair ist?

Der Letzte macht das Licht aus

Das werde ich heute nicht sein, aber für einen wird es wohl der letzte Tag oder vielmehr die letzte Nacht in dieser Welt sein. Ich kenne ihn. Schon mein ganzes Leben lang, und eigentlich noch länger. Ich habe ihn lachen und auch weinen sehen. Wir haben uns gezofft und manchmal sogar angeschrien. Nun liegt er hier, keine 10 Meter entfernt in seinem Bett. Aus einem Tropf fließt Schmerzmittel und es ist klar: Es wird ein baldiger Abschied. So viele Male hat man gesagt: „Bis gleich“ oder „bis nachher“. Dieser Abschied wird für immer sein. Naja, vielleicht nicht für immer? Je nachdem woran man glaubt. Vielleicht auch nur die nächste Version der Matrix. Vielleicht ist die ja die Richtige?

Nachtrag am 2. Juli 2014: Er hat es nun geschafft. Mein Vater ist heute morgen im Alter von nur 57 Jahren verstorben. Viel zu früh sagt man sich. Viel zu schnell hatte der Krebs die Oberhand gewonnen. Zu schnell für uns. Nur noch ein paar Jahre, Monate oder Wochen länger. Nur ein kleines bißchen noch. Aber es wäre nicht fair gewesen. Nicht fair ihm gegenüber, und damit auch nicht uns gegenüber. Die Nacht war schwer, aber hat es sich gelohnt. Er konnte in Ruhe gehen.

AufHaldeHohewart