Neues von Bradley

Der Prozess gegen Bradley Manning hat vorerst ein Ende genommen. Es wurde in allen Anklagepunkten für schuldig befunden, außer ‚aiding enemy‘ also dass er dem Feind geholfen habe. Stellen sich mir nun mehrere Fragen:

1. Wenn er nicht dem Feind geholfen hat, was ist denn dann so schlimm, dass er trotzdem bis zu 130 Jahre ins Gefängnis soll?
2. Die wollen keinen Märtyrer, ja? Deshalb weitermachen! Den Namen im Web weiter pushen. Und gleich die Namen aller anderen Whistleblower auch.
3. Ist das ein Zeichen in Richtung Snowden? Frei nach dem Motto: Ach komm, den Manning töten wir ja auch nicht. Komm ruhig wieder nach Hause, Edward.

Mal sehen für welche Variante die Welt sich entscheidet.

Rechtsstaatlichkeit und so…

Eigentlich wollte ich dringend einen Artikel zu Feminismus, Aufschrei und Co schreiben und dabei noch einen Abstecher in den Bereich Polyamorie machen, aber mal ehrlich: DAS SIND NICHT DIE WICHTIGEN THEMEN. Jedenfalls nicht jetzt. JETZT ist Überwachung. Jetzt ist massiver Gesetzesbruch durch den Staat selbst.

Erst vor wenigen Wochen war ich in einer Schule und habe zum Thema PRISM, Tempora und Datenschutz referiert. In der Diskussionsrunde sagte dann einer der Schüler, dass das ja alles ok wäre, denn wir würden ja in einem Rechtsstaat leben.
Schon damals habe ich das nicht mehr geglaubt. In der letzten Zeit ist einfach so viel passiert. PRISM und Tempora sind ja keine deutschen Programme, aber wie wir schon ahnten und nun auch wissen nutzen deutsche Nachrichtendienste und auch die Bundeswehr die extrahierten Daten dieser Programme. Das Zauberwort oder auch Programm nennt sich XKeyscore.
Es ist wie eigentlich immer. Wenn ein schweizer Bänken eine Straftat begeht und Daten von Steuersündern entwendet, dann schreit ein Teil der Politiker, dass der Staat diese nicht ankaufen darf. In dem Fall sind es sogar explizit schwarze-gelbe Poltiker. Wenn es dann jedoch darum geht, dass rechtswidrig Daten von deutschen Bürgern erfasst und weitergegeben werden, dann ist das plötzlich alles wieder in Ordnung. Bzw. eigentlich weiss man ja, dass das nicht in Ordnung ist, aber die Terroristen… ja, die Terroristen… immer wieder stelle ich mir die Frage: Bin ich Terrorist? Vermutlich schon. Irgendwann.
Nein, ich will keine Menschen töten. Nein, ich will keine Gebäude in die Luft jagen. Ich will meine Meinung sagen dürfen und dabei keine Angst haben müssen. Aber kann ich das noch? In diesem Moment wird dieses Blogpost von einer gewissen Anzahl Algorithmen gescannt und sortiert. Komme ich nun in die falsche Box? Stehen gleich Beamte vor dem Büro? Stehen sie vor meiner Wohnungstür? Ich kann es nicht abschätzen.
Und überhaupt… wer ist denn Terrorist? Ist die Definition dafür nicht variabel? Jeder kann Terrorist sein, wenn der Staat dies so definiert. Wie weit sind wir davon entfernt, dass das wirklich so ist?
Schauen wir uns doch einmal in unserem Land um.
Da wird in einem Verfahren ein Jugendpfarrer bezichtigt Gegendemonstranten motiviert zu haben, Neonazis und Polizisten anzugreifen. Nett, wie sie ist, halt die Polizei versucht belastendes Videomaterial zusammenzuschneiden. Immerhin ist dies nun aufgefallen, und das Gericht will das gesamte Videomaterial sichten. 200 Stunden. Das wird sicherlich noch einige Zeit dauern, bis das Verfahren weiterläuft. Ich tippe auf nach der Wahl. Dann kann man sich wieder ungestört unerfreulichen Dingen zuwenden.
Ein anderes Verfahren, das eigentlich laufen sollte und weshalb ich diesen Blogpost überhaupt erst angefangen habe, ist der Fall Gustl Mollath. In den Verhandlungen gegen diesen Mann gibt es einige Fehler, jedenfalls wird dies durch die Medien so bezeichnet. Lest euch den Wikipedia-Artikel zu Gustl Mollath mal durch. Da wird einem schon anders. Es gibt Gerüchte, dass auch dieses Verfahren bis nach der Bundestagswahl und noch viel wichtiger der zeitnah zur Bundestagswahl stattfindenden Landestagwahl in Bayern, verschleppt werden soll und so schaut es gerade auch aus. Das Landgericht Regensburg hat die Wiederaufnahme des Verfahrens abgelehnt.
Da kommt man ein wenig ins Grübeln.

Ach und wenn wer von euch die letzte Bundespressekonferenz mit Angela Merkel nicht gesehen hat: Sucht sie! Schaut sie euch an! Da sagt die Merkel nämlich so großartige Dinge wie in etwa: „Snowden erfüllt die Ansprüche auf Asyl nicht. Die USA sind ja ein Rechtsstaat.“
Toller Rechtsstaat, Frau Merkel! Dieser Rechtsstaat inhaftiert unter widrigsten Bedingungen seit mehr als 10 Jahren Menschen, die er eventuell für gefährlich hält. Das Ganze eben ohne rechtsstaatlichen Gerichtsprozess. Ohne Verurteilung. Ob Republikaner oder Demokraten, alle ziehen das gleich durch. Die haben es sogar geschafft einen Teil dieser Menschen über UNSER Hoheitsgebiet dorthin zu bringen, aber dem bolivianischen Ministerpräsidenten wird der Überflug von Frankreich, Spanien und Italien verboten. Auch so lupenreine Rechtsstaaten. Zum Kotzen!
Und wenn man sich weiter in der Welt umschaut, dann erkennt man, dass selbst der Iran sich als Rechtsstaat bezeichnen kann, denn nach den dort herrschenden Gesetzen ist es vollkommen ok Homosexuelle zu erhängen, vergewaltigte Frauen zu Tode zu steinigen und Journalisten, die über Sexspielzeug berichten, monatelang wegzusperren, damit sie in der Gefangenheit ihre Prügelstrafe abliegen können. Mit Sitzen ist da nämlich nichts mehr.

Hex‘ hex‘ und du bist Entwickler!

Ich versuche gerade ein Kalendar-Datenbank Problem für einen Professor zu lösen… dafür brauche ich den Debug-Modus meines Nexus 7. Da ich ihn nicht direkt über die Einstellungen finde suche ich darüber im Internet und finde das hier.

7mal auf die Build Nummer Tippen

Ich denk mir: NEEE!

Wer bin ich denn? Scheiss Dorothee, oder was? Klick mit den Hacken zusammen und losgehts?

Und dann: Sie sind jetzt Entwickler!

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Everyday I’m Çapuling – ein Bericht aus Istanbul

Tach zusammen,

Dies ist mein erster Blog überhaupt, trotzdem recht lang geworden… Hoffe Ihr habt die Geduld, es bis zum Ende durchzulesen. Ich war im Gezi-Park, als die Proteste am Abend des 13.7.13 eskalierten und habe auch viel mit Einheimischen gesprochen, um mir ein genaues und vor allem ungefiltertes Bild davon zu machen, was hier eigentlich los ist.

ich bin vergangenen Freitag Abend nach Istanbul geflogen. Nach einem Wilkommensbier, eisgekühltem Jägermeister und kubanischen Zigarren (Romeo y Julieta) am Abend bin ich mit meinem Gastgeber am Samstag zum Gezi-Park gefahren. Es war schön, den legendären Park mal sehen zu können. Die Menschen faulenzten im Schatten der Bäume, kleine Mädchen spielten Gummitwist, kleine Jungs planschten im Brunnen, Studenten verkauften Protest-Shirts und Guy Fawkes-Masken – die perfekte Idylle. Abgesehen von einem Stand, an dem Fotos der Opfer von Polizeigewalt – mögen sie in Frieden ruhen – ausgestellt waren erinnerte nichts an die Proteste der vergangenen Wochen. Nur an einer Ecke des Parks standen an die 50 Bullen in voller Montur in einem Block in Reih‘ und Glied, als ob sie auf etwas warten würden…

Wir verließen irgendwann den Park in Richtung der Istiklal-Einkaufsmeile, wo wir hinter einer Absperrung mehrere Bullen-Mannschaftsbusse gesehen haben. An der nächsten Kreuzung parkte schwer bewacht ein Wasserwerfer. Nur ein paar Schritte weiter sahen wir schon Demonstranten auf uns zukommen – es war ein langer Strom der nie enden wollte – gefühlt waren es deutlich, deutlich mehr als bei der Großdemo gegen Studiengebühren in Düsseldorf vor paar Jahren, wo wir auf 15.000 kamen. Sie skandierten „Gezi ist nur der Anfang“ und am Ende des Zuges waren wieder – Bullen… Diese hatten da bereits schon Gasmasken auf!!

Eigentlich wollte ich das Ganze beobachten, aber ich hatte nur Sandalen an und mein Begleiter sagte mir „Schau Dir die Bullen an! Heute ist nicht der Tag, um den Helden zu spielen“. Wir gingen dann was essen und hatten am Fensterplatz den Istiklal gut im Blick. Plötzlich sahen wir Menschen rennen, dann einen Wasserstrahl und dann schon den Wasserwerfer. Wir gingen in eine kleine Seitenstraße und setzten uns in eine Kneipe auf die Dachterasse im 5. Stock und tranken Bier, als wir ständig Explosionen hörten. Es klang wie Silvesterböller – richtig viele… unten in der Gasse liefen Demonstranten mit Tüchern vor dem Mund entlang… Was mich wirklich beeindruckte war, dass die Menschen in den umliegenden Kneipen alle den Demonstranten lautstark applaudiert haben. Einige Kellner brachten schnell Wasser und feuchte Tücher und auf einmal biß es mich richtig fest in der Nase – eindeutig Tränengas – wie schlimm mag es wohl sein wenn man direkt in der Wolke steht?

Mein Begleiter hielt es für eine gute Idee, langsam zu verschwinden, weil sicherlich noch was Schlimmeres passieren wird. Wir pumpten das Bier weg, gingen runter in die Gasse in Richtung Bushaltestellen… Wir konnten sehen daß unten wieder alles voller Bullen war. Dann gab es einen lauten Knall und auf einmal rannten alle von der Hauptstraße weg. Ich habe meinen Begleiter aus den Augen verloren und mir die Füße blutig gelaufen – Sandalen sind nun mal keine Heldenschuhe. An der nächsten größeren Kreuzung habe ich ihn irgendwann zum Glück doch noch wiedergefunden. Er kannte so ziemlich alle Schleichwege wo er mich sicher zu den Taxibussen geführt hat. Der Fahrer musste auch abenteuerliche Umwege nehmen um die Straßensperren zu umfahren. Zu Hause angekommen haben wir uns erstmal die Augen vom Tränengas ausgewaschen und bei einem Jägermeister und einer Kubanischen hat er mir so einiges darüber erzählt was hier los ist…

Mit den Bullen hier ist absolut nicht zu spaßen – dagegen ist Occupy Frankfurt ein Kindergeburtstag. In den Wasserwerfern ist irgendeine Chemikalie beigemischt die bei Hautkontakt zu Verbrennungen 2. Grades führt und wenn sie mit Tränengasgranaten schießen, zielen sie auf die Köpfe! Und sie schießen auch schon mal in voll besetzte Kneipen rein wenn sie Demonstranten oder Sympathisanten drinnen vermuten. Die wollen wirklich Blut sehen und 5 Tote hat es bereits gegeben!

Ich habe ein kleines Video auf Youtube hochgeladen. Leider deckt es nur einen ganz ganz kleinen Teil des Abends ab – wenn es brenzlig wurde dachte ich nicht ans Filmen sondern nur daran, meinen Arsch zu retten. Wer mehr sehen will, der gebe bitte bei Youtube die Suchbegriffe Taksim, Gezi oder Capulcu / Capuling ein, da liegt jede Menge. Ich entschuldige mich hiermit ausdrücklich dafür daß ich die Bullen im Video als feige Hunde bezeichnet habe – mit diesen Bastarden verglichen zu werden hat kein Hund dieser Welt verdient!

 

Nach zahlreichen Gesprächen mit Einheimischen habe ich nun ein genaueres Bild der Entwicklung und der kulturellen Hintergründe. Um es mal kurz zusammenzufassen:

Atatürk ist ein Nationalheld, der die Republik Türkei 1923 so gegründet hat wie sie ist – ein moderner, laizistischer Staat. Zunächst einmal sollte man wissen, daß es für einen Türken ein gewaltiger Affront ist, Atatürk und seinen Mitstreiter Inönü zu beleidigen. Atatürk war für ein islamisches Land in den 20ern irgendwo schon weise und vorausschauend als er sagte „Sollte die Wissenschaft mich jemals widerlegen dann folgt der Wissenschaft!“. Erdogan hingegen ist irgendwo ein religiöser Fundamentalist, der vor allem die weniger gebildeten Bevölkerungsschichten auf dem Land anspricht – religiöse Menschen lassen sich leichter manipulieren. Er baut den laizistischen Staat Stück für Stück zurück mit Alkoholverboten, massiven Steuererhöhungen für „unislamische Dinge“, was der besser gebildeten und weltoffenen Stadtbevölkerung überhaupt nicht schmeckt. Die Menschen haben Angst daß er das Land immer stärker islamisiert. Dazu ist er noch durch und durch korrupt und wollte den Gezi-Park, eine der letzten Grünflächen überhaupt in dieser gigantischen 14-Millionen-Stadt, platt machen und darauf illegal durch die Baufirma eines Cousins ein Einkaufszentrum bauen lassen. Als die Architektenvereinigung dagegen protestierte, hat er sie per Gesetz entmachtet. Daß er sich abfällig über Atatürk und Inönü geäußert hat („Ich lasse mir doch nicht von 2 Trinkern die Verfassung schreiben“) hat das Fass zum Überlaufen gebracht. Es gab Massenproteste und er bezeichnete die Demonstranten daraufhin als Çapulcu (in etwa: Marodeure und Plünderer).

Young Capulco
Die Protestbewegung nahm diese Beschimpfung sehr ironisch auf und kokettiert damit

Aber ansonsten ist es ziemlich übel, was da gerade abgeht. Es finden Massenverhaftungen von Twitter-Usern statt, die wegen Gründung einer terroristischen Vereinigung angeklagt werden sollen. Erasmus-Studenten wurden verhaftet mit der Begründung, sie wären ausländische Agenten und Aufrührer. Bis auf einen kleinen Privatsender, der noch die Eier hat (und der wegen der Repressalien nur über eine 3G-Verbindung live von den Protesten berichten kann – Erdogan setzt momentan alles daran, diesen Sender zu schließen, Begründung: Ausstrahlung gewaltverherrlichender und zu Gewalt motivierender Bilder) schweigen die Medien das Thema tot. Einige Polizisten begingen schon Selbstmord weil sie es einfach nicht mehr aushalten, das tun zu müssen undundund…

Die Massenproteste laufen jetzt schon mehrere Wochen und vielleicht schau ich am Samstag nochmal vorbei, bevor ich wieder ins Flugzeug steige.

Von der Türkei und den Menschen in Istanbul bin ich jedenfalls gewaltig beeindruckt – dieser Spirit den man fast schon atmen kann, diese Solidarität und diese extrem gastfreundlichen, offenherzigen Menschen hier in dieser total aufregenden Stadt… So gastfreundliche Menschen habe ich noch nicht mal in Polen erlebt, und das heißt schon was! Ich wünsche der Bewegung alles Gute und jede Menge Kraft, um all dies durchzustehen!

Ich werde auf jeden Fall nach Istanbul wiederkommen, aber erst wenn dieser Drecksack weg ist!

 

Kleiner Nachtrag: In der Protestbewegung kursiert dieses Video (natürlich in der türkischen Fassung 😉 )

That’s the spirit!

Tante Merkel hat mir was empfohlen!

Und ich hab tatsächlich mal nachgeguckt… www.sicher-im-netz.de heißt die Seite. Unter der Schirmherrschaft des Bundesinnenministerims, also Herr Friedrich, der für uns die Möbel in den USA gerade rücken sollte. Ja gut, hat nicht so geklappt. Bis auf einen Koffer voller Geld ähm schlechter Ausreden kam nichts herum und auch bei dieser netten Seite ist nicht alles Gold, was glänzt, denn zu den Partner des Projekts gehören keine geringeren als Google und Microsoft, also denen, die eh unsere Daten weitergeben.

Dafür bekommt man die überaus praktische Passwort-Wechsel-App. Damit man schneller die Passwörter ändern und die entsprechenden Dienst die hübsch sortiert auf einen Klick ausgehändigt bekommen.

Und bitte vergesst den Sicherheitscheck nicht! Gerade für Unternehmungen wird es essentiell wichtig sein, dass jmd so etwas einmal ausführt.

Ach und wenn ihr unter hilfreiche Links schaut, dann seht ihr neben dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik auch das Bundesamt für Verfassungsschutz.

Lobhudelei

Eigentlich mache ich sowas ja nicht, aber jetzt muss ich es doch mal loswerden.

Ranga Yogeshwar

Seit Jahrzehnten weckt er bei mir das Interesse für Naturwissenschaften. Den Drang Dinge zu hinterfragen und ihnen auf den Grund zu gehen. Für fast alles gibt es eine Erklärung, man muss sie nur suchen und natürlich finden.

Und auch jetzt ist er wieder ganz vorne mit dabei. Sein aktuelles Thema ist nicht sein neues Buch, sondern die Überwachungssituation der Welt.

FAZ – Rechnen Sie damit, lebenslang ein Verdächtiger zu sein

Frank und Ranga im Podcast

Ranga und Frank im Podcast zum Thema PRISM und NSA und und und, ich bin gespannt. Sehr gespannt. Und seit Wochen auch sehr nachdenklich. Einen umfangreichen Artikel konnte ich nicht verfassen, weil ich zu sehr mit diesem Nachdenken beschäftigt war.

Ich fürchte, dass dieser Podcast mich mehr zum Nachdenken anregen wird. Noch mehr.